Die FAU auf dem 39. Chaos Communication Congress in Hamburg #39c3

Blick auf den FAU Stand, mit Flagge und Broschüren

Der Chaos Computer Club (CCC) veranstaltet in Hamburg am Ende jeden Jahres den Chaos Communication Congress (C3), der 2025 nun zum 39. Mal stattfand („#39C3“). Die Themen reichen von Technik über Kunst bis hin zu ethischen und politischen Fragestellungen mit Vorträgen und Workshops. Der Fokus liegt auf hierarchiefreiem „selber machen“ und so wird die Veranstaltung inhaltlich fast ausschließlich von Hackspaces, Interessensgruppen oder dem CCC nahestehenden Organisationen selbstorganisiert getragen.

Die FAU Assembly

Die FAU war nun zum dritten Mal in Folge vor Ort. Der 39C3 war wieder eine fantastische Veranstaltung. Unser Stand (auf dem Congress auch Assembly genannt) war gut gelegen und noch besser besucht. So viele interessante Gespräche, so viele tolle Begegnungen, die wir hier gar nicht alle auflisten können. Ein ganz großes Dankeschön an alle die da waren!

Was sehr gut angekommen ist, war unser Einkommens-Plot, wo selbstständig Punkte mit dem eigenen Einkommen auf einem Zahlenstrahl geklebt werden konnten:

Einkommensplot:  Drei weiße DIN A3 Papierseiten aneinandergeklebt. Überschrift: "Plot your income (net/month)". Darunter ein Zahlenstrahl. Beginnt ab 1.000€ oder weniger. Die Mitte entspricht 3.000€ und somit "household median income". Ende 5.000€ oder mehr. Dazu drei unterschiedliche Farben: Blau für "IT". Orange für "Care". Grün für "Other". Besonders viele Punkte bei unter 1.000€ und an der Marke 2.000€. Nur zwei orangene "Care"-Punkte über 3.000€. Fast ausschließlich blaue "IT"-Punkte über 3.000€.

Dabei hat sich wieder einmal gezeigt, wie wichtig es ist mit seinen Kolleg*innen über sein Einkommen zu sprechen. Denn nur gemeinsam kann man mehr erreichen!

Azubi-Tag

Am dritten Tag des 39C3 fand der Azubi-Tag statt. Wir waren selbstverständlich auch mit dabei. Dort konnten wir aufkommende Fragen beantworten und einige wichtige Hinweise geben, denn auch während der Ausbildung muss man sich nicht alles gefallen lassen. Dafür hatten wir in gedruckter Form unsere schnell vergriffene Broschüre “Deine Rechte im Job” mitgebracht, als auch ein kleiner Flyer für die absoluten Basics “solidarisch-kämpferischer Haltung in der Lohnarbeit”:

Schwarzer Flyer mit weißem Text: "Verantwortungsvoll handeln im Alltag - für dich und andere.
Verrichte keine Arbeiten, für die Du nicht qualifiziert bist. Riskiere Deine Gesundheit nicht für die Arbeit! Arbeite lieber ein bisschen langsamer und weniger, dafür konzentrierter. Die Folgen von Arbeitsunfällen können ein Leben lang bleiben. Deine Ausbildung hast Du nur 3 Jahre.
Behalte Deine Arbeitszeiten im Auge und schreibe sie auf. Das kann bei der Auszahlung von eventuellen Überstunden sehr wichtig sein. Um bei Konflikten gewappnet zu sein, kann es auch sehr hilfreich sein, den Dienstplan abfotografiert oder einen Screenshot gemacht zu haben.
Freiräume erhalten!
Wenn Du einen Weg findest, effizienter zu arbeiten, sag es bloß nicht Deinen Vorgesetzen! Sie könnten Dir oder anderen nur noch mehr Arbeit geben. Nimm lieber Deine hinzugewonnene Zeit, um Dinge zu tun, die du magst, oder um Deinen Arbeitsalltag angenehmer zu gestalten.
Vergleiche Deinen Lohn!
...mit den Löhnen von Kolleg*innen im Betrieb.
So findest Du am schnellsten raus, ob Du oder andere besser oder schlechter behandelt werden und kannst Bewusstsein darüber bei Deinen Kolleg\*innen schaffen. Niemand kann Dir verbieten, über Deinen Lohn zu reden. Sollte es eine Regelung in Deinem Arbeitsvertrag geben, die Dir das verbieten will, so ist sie ungültig.
Sei Dir bewusst, dass Deine individuellen Aktionen auch negative Folgen für Deine Kolleg’innen haben können."

Post Congress Remote Meetup

Wir wollten auch die Leute erreichen, die aus verschiedenen Gründen es nicht an unser Assembly geschafft haben oder denen noch nachträglich Fragen eingefallen sind. Schon vor dem Beginn des 39C3 hatten wir deswegen auf unser “Post-Congress-Remote-Meetup” am 14.01.2026 hingewiesen.

Nach einem kurzen Input, was wir als FAU so machen, konnten alle sich einmal vorstellen und berichten, was sie gerade beschäftigt.
Die Themenpalette war riesig: Von Kündigungen und psychisch belastenden Arbeitsbedingungen über Sicherheitsprobleme durch schlechte Entscheidungen der Chef*innen bis hin zu allgemeiner Hoffnungslosigkeit und Einsamkeit (und natürlich der baldigen “Umschulung auf Schreiner*in” 😉 ) war alles dabei.

Wie geht es weiter?

Da die Angriffe auf erkämpfte Freiheiten (8-Stunden-Tag, Meinungs- und Versammlungsfreiheit, Debanking, Überwachung) zunehmen und die IT-Branche historisch eher wenig gewerkschaftlich organisiert ist, planen wir im April einen Aktionsmonat.
Wir möchten mit euch in den lokalen Hack- und Makespaces über Arbeits- und Lebensbedingungen (Organizing im Betrieb, Erwerbslosigkeit, Sorgearbeit…) in den Austausch kommen.

Denn wir wollen raus aus der Frustration und Hoffnungslosigkeit hin zu einem besseren Leben für alle.

Wenn es euch auch so geht, kommen wir gerne bei euch vorbei, meldet euch einfach per Mail oder per Fediverse-Direktnachricht. Wir freuen uns auf euch!